Die Chronik des Schwälkenbergs.
Wer die Geschichte des Schwälkenbergs in Schwerin verstehen will, muss mit einer Fläche beginnen, auf der es noch gar keine Straße gab: dem Werder — niederdeutsch für eine erhöhte Landfläche im Wasser. Aus dieser Feldmark zwischen Pfaffenteich und Schweriner See wurde in knapp zwei Jahrhunderten eine der gefragtesten Wohnlagen der Landeshauptstadt. Die Stationen, Jahr für Jahr.
Regesten — 1832 bis 2024
- bis 1832 Das Gelände des heutigen Stadtteils ist Feldmark: sumpfige Wiesen auf dem Werder, ohne städtische Bebauung. Der Flurname, aus dem später der Straßenname wird, gehört zu dieser vorstädtischen Landschaft.
- 1832 Die Neustadt — die heutige Schelfstadt — wird nach Schwerin eingemeindet. Die Residenzstadt beginnt, über ihre alten Grenzen hinauszuwachsen; der Werder bleibt zunächst unbebautes Vorland im Norden.
- 1842 Am Westufer des Pfaffenteichs wird der Marstall vollendet, ein klassizistischer Bau Georg Adolph Demmlers. Er markiert den Auftakt der großherzoglichen Bautätigkeit, die das Umfeld des späteren Schwälkenbergs prägen wird.
- 1858 Großherzog Friedrich Franz II. ordnet die Anlage der heutigen Werderstraße an — zunächst unter dem Namen Annenstraße. Damit erhält der Werder seine städtebauliche Hauptachse.
- 1862 Die Alte Artilleriekaserne entsteht nach Plänen Hermann Willebrands im Stil der Neo-Renaissance — zweiter Baustein der militärischen Achse am Rand des Quartiers.
- 1863 Auf dem Werder entstehen die ersten Steinhäuser — der Anfang jener Gründerzeit-Substanz, die heute unter Denkmalschutz steht.
- ab 1871 Die Gründerzeit erfasst das Viertel: Mietshäuser, Handwerksbetriebe und Wohnquartiere wachsen entlang der neuen Straßen. Die Werdervorstadt wird zum eigenständigen Stadtteil.
- 1904 Mit der Eröffnung der Werder-Kaserne ist die Garnisonsachse aus drei Kasernen vollständig. Militär, Handwerk und Wohnbebauung prägen fortan gemeinsam das Quartier.
- 2008 Die Stadt weist das förmliche Sanierungsgebiet „Werdervorstadt / Wasserkante Bornhövedstraße“ aus. Es folgt eine planvolle Erneuerung von Gebäuden, Straßen und Freiflächen, die den Stadtteil grundlegend verändert.
- 2022 Am Schwälkenberg selbst werden die Garagenanlagen aus DDR-Zeiten abgerissen. Die Fläche wird entsiegelt, begrünt und mit einem Spielplatz versehen — die sichtbarste Veränderung der Straße seit Jahrzehnten.
- 2024 Die UNESCO nimmt das Residenzensemble Schwerin in die Welterbe-Liste auf. Mit dem Marstall und der Alten Artilleriekaserne stehen zwei Bauten des Ensembles in unmittelbarer Nachbarschaft der Straße.
Anmerkung — des Archivs
Eine Straße, zwei Jahrhunderte, ein Muster.
Liest man die Chronik am Stück, tritt ein Muster hervor: Der Schwälkenberg lag nie im Zentrum der Ereignisse — aber immer daneben. Die großherzoglichen Bauten, die Kasernen, das Sanierungsgebiet, zuletzt das Welterbe: Alles geschah in Sichtweite der Straße und veränderte ihren Wert, ohne ihren Charakter als ruhige Wohnlage anzutasten. Es ist die Geschichte eines Ortes, der von jeder Epoche profitierte und keine ausbaden musste.
Wie die Straße zu ihrem einzigartigen Namen kam, dokumentiert Abteilung II — Der Name; die Bauwerke der Nachbarschaft versammelt Abteilung III — Orte.